Mediationsausbildung an der Volkshochschule Duisburg

Seit zehn Jahren bietet die VHS Duisburg mit der KoViAk Akademie für Konflikt- und Führungskompetenz gemeinsam die gesetzlich geregelte Ausbildung zur zertifizierten Mediatorin beziehungsweise zum zertifizierten Mediator an.

Die erfolgreiche Kooperation feiert 2026 ihr zehnjähriges Jubiläum. Zu den Absolventinnen des aktuellen Ausbildungsjahrgangs gehört auch Imke Hans. Die Mitarbeiterin der Hochschule Rhein-Waal hat die Ausbildung im Juni erfolgreich abgeschlossen. Im Interview erzählt sie, warum sie sich trotz ihrer langjährigen Berufserfahrung noch einmal bewusst auf diesen Lernprozess eingelassen hat und weshalb Mediation heute zu den wichtigsten Zukunftskompetenzen gehört.

Frau Hans, Sie arbeiten seit vielen Jahren als systemische Beraterin und begleiten Menschen in Veränderungsprozessen, sowohl an der Hochschule Rhein-Waal als auch selbstständig. Warum haben Sie sich entschieden, zusätzlich die Ausbildung zur zertifizierten Mediatorin zu absolvieren?

Ich erlebe in meiner täglichen Arbeit, wie unterschiedliche Interessen, Erwartungen und Wahrnehmungen aufeinandertreffen. Das ist im Organisationskontext zunächst ganz normal und oft produktiv. Es können aber auch Konflikte entstehen, die die Zusammenarbeit nachhaltig belasten.

Deshalb wollte ich mein Handwerkszeug erweitern und besser verstehen, wie ich Menschen in schwierigen Situationen dabei unterstützen kann, wieder miteinander ins Gespräch zu kommen und Lösungen zu entwickeln. Die Mediationsausbildung ist für mich eine sehr passende Ergänzung zur systemischen Beratung und meiner Arbeit in der Team- und Organisationsentwicklung.

Sie verfügen bereits über viel Erfahrung. Haben Sie während der Ausbildung trotzdem Neues gelernt?

Sehr viel – und ich bin dankbar dafür. Natürlich habe ich neue Methoden und viele hilfreiche Werkzeuge kennengelernt. Noch wichtiger war für mich aber die Weiterentwicklung meiner eigenen Haltung.

Ich frage in schwierigen Situationen heute noch einmal anders nach und nehme mir bewusster Zeit, unterschiedliche Perspektiven und Hintergründe zu verstehen. Das verändert Gespräche oft schon, bevor ein Konflikt überhaupt eskaliert. Gerade in meiner Arbeit mit Menschen in Veränderungsprozessen und in der Teamentwicklung ist das sehr wertvoll.

Viele Menschen denken bei Mediation zuerst an große Streitigkeiten. Ist das ein Missverständnis?

Zumindest ist das nur ein Teil von dem, was Mediation eigentlich leisten kann. Natürlich kann sie helfen, wenn ein Konflikt bereits ausgebrochen ist, aber sie ist schon viel früher hilfreich.

Mediation hilft dabei, miteinander ins Gespräch zu kommen und unterschiedliche Interessen sichtbar zu machen. Das kann in Unternehmen, Verwaltungen, Bildungseinrichtungen oder auch im privaten Umfeld sein. Erst wenn unterschiedliche Perspektiven konstruktiv bearbeitet werden können, sind gute Zusammenarbeit und gutes Zusammenleben möglich.

Für wen eignet sich diese Ausbildung?

Meiner Meinung nach für alle, die mit, am oder für Menschen arbeiten und Beziehungen gestalten. Natürlich profitieren Führungskräfte, Personalverantwortliche oder Beraterinnen und Berater davon. Aber auch Lehrkräfte, Menschen aus dem Gesundheitswesen, der Verwaltung oder dem sozialen Bereich können viel aus der Ausbildung mitnehmen.

Das habe ich in unserer Ausbildungsgruppe selbst erlebt: Wir kamen aus ganz unterschiedlichen Berufen und haben sehr vielfältige Erfahrungen und Perspektiven mit eingebracht. Diese Vielfalt hat die Ausbildung für mich sehr bereichert.

Manche sagen: „Ich bin kein Konfliktmensch.“ Was antworten Sie darauf?

Gerade dann kann die Ausbildung interessant sein. Konflikte gehören schließlich zum Leben dazu – sie zeigen, dass unterschiedliche Interessen, Bedürfnisse oder Sichtweisen aufeinandertreffen. Entscheidend ist doch am Ende, wie wir damit umgehen.

Wenn ich weiß, was in Konflikten passiert und welche Möglichkeiten ich habe damit umzugehen, gibt mir das auch Sicherheit. Wer Konflikte besser versteht, muss sie nicht mehr befürchten, egal ob beruflich oder privat.

Was unterscheidet diese Ausbildung von einem klassischen Kommunikationstraining?

Ein Kommunikationstraining ist häufig kürzer und konzentriert sich auf bestimmte Themen oder Werkzeuge. Die Mediationsausbildung geht für mich weiter: Sie verbindet Fachwissen, Haltung und Methoden mit viel praktischer Erfahrung.

Wir haben von Anfang an mit realistischen Fallbeispielen aus unterschiedlichen Bereichen gearbeitet – von Familien- über Nachbarschaftsmediation bis zur Wirtschaftsmediation. Dadurch entwickelt man mit der Zeit Handlungssicherheit.

Das ist für mich besonders wichtig, weil ich das Gelernte nicht nur in Mediationsverfahren einsetzen möchte, sondern auch in meiner Beratung, der Teamentwicklung und perspektivisch in der Organisationsentwicklung.

Welche Erkenntnis hat Sie persönlich am meisten überrascht?

Mich hat beschäftigt, wie ähnlich die grundlegenden Bedürfnisse von Menschen oft sind, auch wenn sie sich in Konflikten ganz unterschiedlich verhalten. Wenn man das verstanden hat, bewertet man das Verhalten des Gegenübers weniger schnell und fragt eher: Was steckt dahinter? Welche Bedürfnisse oder Interessen spielen hier eine Rolle?

Deshalb ist es so wichtig, die richtigen Fragen zu stellen und wirklich zuzuhören.

Wie wirkt sich das konkret auf Ihren Berufsalltag aus?

Meine Arbeit besteht seit Jahren zu einem großen Teil aus Kommunikation. Trotzdem gehe ich heute viele Gespräche bewusster und mit einer erweiterten Perspektive an.

Unterschiedliche Meinungen und Blickweisen sind für mich nicht mehr etwas, das möglichst schnell aufgelöst werden muss. Stattdessen sehe ich, wie wichtig sie für gute und tragfähige Lösungen sind. Das ist gerade in Veränderungs- und Teamentwicklungsprozessen sehr wertvoll.

Ich verbinde heute meine Erfahrung aus der systemischen Karriereberatung mit meiner Arbeit in der Teamentwicklung und meiner Ausbildung in der Organisationsentwicklung. Die Mediation ergänzt dieses Profil sehr gut: Sie hilft mir, die Dynamik zwischen Menschen und innerhalb von Organisationen stärker in den Blick zu nehmen und konstruktiv zu nutzen.

Die Ausbildung ist gesetzlich geregelt. Warum ist das aus Ihrer Sicht wichtig?

Mediation kann sehr wirkungsvoll sein, gleichzeitig trägt die Mediatorin oder der Mediator die Verantwortung für Prozess und Rahmen. Deshalb ist die Qualität der Ausbildung für mich ganz entscheidend.

Diese Ausbildung geht mit ihrem hohen Theorie- und vor allem Praxisanteil deutlich über das erforderliche Maß hinaus. Besonders wertvoll waren für mich die Arbeit mit Fallbeispielen und die Möglichkeit, das eigene Vorgehen immer wieder zu reflektieren.

Die VHS Duisburg und die KoViAk Akademie arbeiten inzwischen seit zehn Jahren zusammen. Was sagt dieses Jubiläum für Sie aus?

Eine zehnjährige Kooperation spricht für mich vor allem für Vertrauen und Verlässlichkeit. Eine solche Zusammenarbeit funktioniert nicht über so lange Zeit, wenn die Beteiligten nicht fachlich und menschlich gut zusammenarbeiten und inhaltlich ein stimmiges Konzept bieten.

Die erfahrenen Ausbilderinnen und Ausbilder, deren Professionalität und gleichzeitig das persönliche Verhältnis machen für mich einen großen Teil der Qualität aus. Ich bin froh, diese Ausbildung gewählt zu haben.

Wenn Sie heute noch einmal vor der Entscheidung stünden – würden Sie die Ausbildung wieder machen?

Ganz klar: Ja.

Sie hat meinen Blick auf Kommunikation erweitert und mir Werkzeuge gegeben, die ich heute in unterschiedlichen beruflichen Kontexten erfolgreich einsetze.

Außerdem habe ich viele spannende Menschen mit unterschiedlichen beruflichen Erfahrungen kennengelernt. Wir sind auch nach dem Abschluss regelmäßig in Kontakt und dieses Netzwerk bedeutet mir persönlich sehr viel.

Was möchten Sie Menschen sagen, die dieses Interview lesen und überlegen, ob die Ausbildung etwas für sie sein könnte?

Ich würde ihnen einfach die Frage stellen: Wie oft führen Sie Gespräche, in denen unterschiedliche Interessen, Erwartungen oder Emotionen eine Rolle spielen?

Wenn die Antwort „regelmäßig“ lautet, lohnt es sich meiner Meinung nach, die Ausbildung näher kennenzulernen.

Sie lernen dort nicht nur, Konflikte professionell zu begleiten, Sie entwickeln auch eine entsprechende Haltung und bekommen Werkzeuge an die Hand, die Ihnen helfen, Gespräche bewusster und klarer zu führen. Davon können Sie beruflich und privat profitieren, genauso wie Ihr Umfeld.

Für mich war die Ausbildung deshalb mehr als eine zusätzliche Qualifikation. Sie erweitert mein berufliches Profil und passt sehr gut zu dem Weg, den ich heute gehe: Menschen, Teams und Organisationen in Entwicklungsprozessen zu begleiten.

 

Ausbildung in Mediation: Beginn am 11. September 2026

Veranstaltungsort: VHS Im Stadtfenster

Informationsabend: Am 25. August 2026 um 18:30 Uhr findet eine Informationsveranstaltung zur Ausbildung in Mediation online statt.

Ansprechpartnerin: Ilona Lendermann, Tel.: 0203 –283 – 984603

E-Mail: i.lendermann(at)stadt-duisburg.de

Melden Sie sich gerne unter www.vhs-duisburg.de an

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Foto von Imke Hans
Portraitfoto von Imke Hans (Copyright: HSRW - Hans Jürgen Landes)